I. Eigenschaften von Palmöl
Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl weltweit. Gewonnen wird es aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme. Diese wächst rund um den Äquator, in Asien, Afrika und Lateinamerika. Das Fruchtfleisch wird zu Palmöl, die Samen zu Palmkernöl verarbeitet. Eine Frucht enthält 90% Palmöl und 10% Palmkernöl.
Abbildung: Aufbau einer Palmfrucht (Quelle: RSPO)

Der Begriff „Palmöl“ bezeichnet das Öl aus dem Fruchtfleisch. „Palmkernöl“ wird aus dem Kern der Frucht gepresst. Es hat ein anderes Fettsäureprofil (mehr gesättigte Fettsäuren) und wird häufiger in Kosmetika und Reinigungsmitteln verwendet als in Lebensmitteln. Beide Öle haben unterschiedliche technologische Eigenschaften und Anwendungsbereiche.
Abbildung: Die kleinen orangeroten Früchte werden zunächst mit Dampf sterilisiert und dann zu rohem Palmöl gepresst (Quelle: RSPO)

Abbildung: Die Palmkerne werden geknackt und von der Schale getrennt. Der Kern wird gepresst, um Palmkernöl und Palmkernkuchen herzustellen (Quelle: RSPO)

Bei der Fraktionierung wird Palmöl in seine Unterteile aufgespalten. Dieser Prozess kann wiederholt werden, um mehrere Fraktionen aus dem Rohstoff zu gewinnen. Palmölderivate entstehen durch die Weiterverarbeitung nach der Fraktionierung. Durch aufwendige, chemische Umwandlungsprozesse können bis zu 1’000 unterschiedliche Derivate gebildet werden, die beispielsweise als Tenside oder Emulgatoren in Kosmetika und Reinigungsmitteln eingesetzt werden. Derivate sind Inhaltsstoffe, für die es derzeit kaum verwendbare Alternativen mit vergleichbaren Eigenschaften und gleicher Verfügbarkeit gibt.
Abbildung: Bei der Fraktionierung wird das flüssige Olein vom festen Stearin getrennt (Quelle: RSPO)

Palmöl ist bei Raumtemperatur von Natur aus halbfest, geschmacksneutral, hitzestabil und sehr lange haltbar. Diese Eigenschaften machen es technologisch einzigartig: Es muss nicht industriell gehärtet werden, was bei flüssigen Ölen wie Raps oder Sonnenblumenöl zur Bildung von gesundheitsschädlichen Transfetten führen würde (Marangoni et al., 2017). Zudem ist es vielseitig einsetzbar – von der Schokolade über Backwaren bis hin zu Kosmetik und Waschmitteln. Seine hohe Oxidationsstabilität verlängert die Haltbarkeit von Produkten und kann sich dadurch positiv auf Food Waste auswirken.
II. Verwendung von Palmöl
Palmöl und Palmkernöl werden unter anderem eingesetzt in:
- Lebensmitteln wie Backwaren, Schokolade, Margarine und Fertigprodukten,
- Kosmetika und Körperpflegeprodukten,
- Wasch- und Reinigungsmitteln,
- pharmazeutischen Produkten,
- Futtermitteln und technischen Anwendungen,
- teilweise auch in Biokraftstoffen.
Der jeweilige Anteil der Anwendungen unterscheidet sich je nach Weltregion und Statistik.
Abbildung: Verbrauch von Palmölen für einzelne Konsumgüter bzw. Konsumgütergruppen in Deutschland, 2013 (Quelle: Auf der Ölspur, WWF Deutschland, 2016)

Palmöl enthält ca. 50 % gesättigte Fettsäuren. Ein hoher Konsum gesättigter Fette wird generell mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Daher empfiehlt sich ein gemässigter Verzehr – dies gilt jedoch ebenso für Butter (66 % gesättigte Fettsäuren) oder Kokosfett (92 %). Im Vergleich zu diesen ist Palmöl reicher an einfach ungesättigten Fettsäuren. Die gesundheitliche Bewertung hängt stark vom Gesamternährungsmuster und davon ab, welches Fett ersetzt wird (Marangoni et al., 2017; Mancini et al., 2015).
Nein, im Gegenteil: Da Palmöl von Natur aus halbfest ist, muss es für die meisten Anwendungen nicht chemisch gehärtet werden. Bei der Härtung von flüssigen Ölen (wie Sonnenblumenöl) entstehen oft industrielle Transfette, die als gesundheitsschädlich gelten und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Der Verzicht auf Palmöl und die Substitution durch gehärtete Öle könnte das Transfett-Risiko in Produkten sogar erhöhen (Marangoni et al., 2017).
Rohes, unraffiniertes Palmöl (Rotpalmlöl) ist reich an Carotinoiden (Provitamin A) und Tocotrienolen (Vitamin E), die antioxidative und potenziell neuroprotektive Eigenschaften haben. Im raffinierten Zustand, wie er in westlichen Lebensmitteln üblich ist, sind diese Stoffe jedoch weitgehend entfernt. Der Hauptvorteil im Lebensmittelkontext bleibt die Vermeidung von Transfetten und die hohe Haltbarkeit, die zur Reduktion von Lebensmittelabfällen beiträgt (Mancini et al., 2015).
III. Produktion, Import und Konsum
Die Produktion von Palmöl stieg von 15.2 Millionen Tonnen im Jahr 1995 auf 81.44 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Damit ist Palmöl das meistproduzierte Öl weltweit. Gefolgt von Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl. (USDA) Der Anstieg resultiert aus der wachsenden Weltbevölkerung und der steigenden Nachfrage nach pflanzlichen Fetten.
Abbildung: Produktionsmengen von Pflanzenölen 2023 (Quelle: Hannah Ritchie 2021, Palm Oil)

Die Ölpalme wächst vor allem in tropischen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Sie liefert pro Hektar deutlich mehr Öl als die meisten anderen Ölpflanzen. Deshalb benötigt sie für die gleiche Menge Öl in der Regel weniger Land als beispielsweise Soja, Raps, Sonnenblumen oder Kokos. Die Ölpalme liefert aktuell rund 40 % des weltweiten Pflanzenöls auf nur ca. 5–10 % der globalen Anbaufläche für Ölpflanzen, was ihre aussergewöhnliche Effizienz unterstreicht (Meijaard et al., 2020; IUCN, 2018).
Abbildung: Anteile an der globalen Produktion von Pflanzenölen und Anteil des dafür benötigten Landverbrauchs im Jahr 2016. (Quelle: Hannah Ritchie 2021, Palm Oil)

Indonesien und Malaysia produzieren zusammen rund 80 % des weltweiten Palmöls. Weitere wichtige Produzenten sind Thailand, Kolumbien, Nigeria und zunehmend auch Länder in Afrika sowie Papua-Neuguinea. Gemäss dem IUCN-Bericht von 2024 steigt die Nachfrage nach Pflanzenölen weltweit weiter an, wobei Asien und Afrika die wichtigsten Wachstumsmärkte darstellen.
Abbildung: Produktionsmengen von Palmöl (Quelle: USDA Palm Oil Data)

Indonesien, Indien, China, die EU und Malaysia sind die grössten Verbraucher und für über 50 Prozent des Konsums verantwortlich.
Abbildung: Solidaridad 2025

IV. Import und Konsum Schweiz
Die Schweiz importierte im Jahr 2025 8’356 Tonnen Palmöl und Palmkernöl für die Lebensmittelindustrie. Diese Importe sind jedoch seit vielen Jahren rückläufig. Vor zehn Jahren waren die Einfuhren der Schweiz mit ca. 30’000 Tonnen noch um ein Vielfaches höher. Ca. 41,7 Prozent der Schweizer Palmölimporte stammten 2025 aus den Salomonen, weitere 25,6% aus Malaysia. Weitere Herkunftsländer sind Elfenbeinküste, Kolumbien und Madagascar.
Laut eigenen Schätzungen wurden in der Schweiz zwischen 29'000 und 58'000 Tonnen Palmöl konsumiert. Diese Schätzungen enthalten sowohl den Verzehr über Lebensmittel als auch den Verbrauch über Produkte wie Kosmetika, Waschmittel, Kerzen oder Industrieprodukte. In der Schweiz ist der Konsum von Palmöl aber immer noch nur ein kleiner Bruchteil, dessen was Länder wie Indonesien oder Malaysia selbst konsumieren. Der Anteil des Schweizer Palmöl-Konsum global betrachtet liegt bei ca. 0,007 Prozent.
Nein, die Schweizer Produktion von Ölsaaten reicht nicht aus, um den gesamten Bedarf an pflanzlichen Ölen zu decken: Der Selbstversorgungsgrad bei pflanzlichen Ölen und Fetten lag 2020 insgesamt bei rund 24%. Die Schweizer Landwirtschaft produziert zwar vergleichsweise viel Rapsöl, deckte 2020 aber auch hier nur rund 63% des inländischen Rapsölverbrauchs. Für sämtliche Öle ist die Schweiz deshalb weiterhin auf Importe angewiesen. https://www.swissstats.bfs.admin.ch/data/webviewer/appId/ch.admin.bfs.swissstat/article/issue220711672200-01/package
Palmöl machte 2020 rund 12,7% des Schweizer Verbrauchs an pflanzlichen Ölen und Fetten im Lebensmittelbereich aus. Damit war Palmöl nach Sonnenblumen- und Rapsöl das drittmeistverwendete Pflanzenöl. Dieser Anteil ist aber seit Jahren sinkend. Die Zahl bezieht sich auf Palmöl im Lebensmittel- beziehungsweise Speiseölkontext. Betrachtet man sämtliche Palmölverwendungen – etwa Kosmetika, Reinigungsmittel, Kerzen und andere Non-Food-Produkte –, liegt der Gesamtverbrauch höher.
Rund 1/3 – 1/4 des importierten Palmöls wird in der Lebensmittelbranche verwendet (Schokolade, Backwaren, Fertiggerichte, Brotaufstriche). 2/3 – 3/4 entfallen auf die Non-Food Industrie (Kosmetika, Reinigungsmittel, Medikamente).
Abbildung: Palmöl Verbrauch Schweiz, mit Anteile Einzelsegmente - Schätzung Min/Max (Quelle: eignee Darstellung auf Basis Swiss-Impex Daten, BAZG, 2023)
V. Alternativen
Kokosöl ist ebenfalls bei Raumtemperatur fest, aber die Kokospalme ist weit weniger ertragreich als die Ölpalme. Für die gleiche Ölmenge bräuchte man ca. 6- bis 10-mal mehr Anbaufläche. Der Kokos-Anbau findet oft unter ähnlich problematischen sozialen und ökologischen Bedingungen statt, ist aber weniger reguliert und zertifiziert als Palmöl. Ein Wechsel zu Kokosöl würde den Druck auf Ökosysteme in anderen tropischen Regionen erhöhen (IUCN, 2018; Meijaard et al., 2020).
Nein. Ein palmölfreies Produkt kann durch Soja-, Raps-, Sonnenblumen-, Kokos- oder andere Öle ersetzt worden sein. Diese Rohstoffe haben jeweils eigene ökologische und soziale Risiken. Für eine wissenschaftlich fundierte Bewertung sollten mindestens Anbaufläche, Herkunft, Entwaldungsrisiko, Klimawirkung, Produktionsweise und soziale Bedingungen verglichen werden. «Palmölfrei» allein ist kein ausreichender Nachhaltigkeitsnachweis.
Nicht unbedingt. Oft wird Palmöl durch eine Mischung aus anderen Ölen ersetzt, die insgesamt mehr Fläche benötigen und möglicherweise aus Regionen mit hohem Entwaldungsrisiko (z. B. Soja aus Südamerika) stammen. Zudem können palmölfreie Produkte mehr Transfette enthalten, wenn die Öle gehärtet wurden. Besser als „palmölfrei“ ist das Label „zertifiziertes Palmöl“, da dies nachweislich zu besseren Umwelt- und Sozialstandards beiträgt als ein undifferenzierter Verzicht (WWF, 2016; Parsons et al., 2020).
Wenn Palm- oder Palmkernöl als Zutat in einem Lebensmittel eingesetzt wird, muss es gemäss den Vorgaben der Verordnung des EDI vom 16. Dezember 2016 betreffend die Information über Lebensmittel (LIV) wie alle anderen Zutaten mit seiner Sachbezeichnung im Zutatenverzeichnis aufgeführt werden (Art. 3 Abs. 1 lit. c). Gemäss Anhang 5 der LIV können raffinierte pflanzliche Öle unter der Klasse «pflanzliche Öle» oder «Pflanzenöle» zusammengefasst werden, wobei aber danach die Auflistung der einzelnen Öle erforderlich ist. Für zusammengesetzte Zutaten (in welchen beispielsweise auch Palmöl enthalten sein könnte) schreibt Anhang 5 Teil E vor, dass die Zutaten einer Zutat ebenfalls aufgelistet werden müssen – es sei denn, die zusammengesetzte Zutat macht weniger als 2% des Enderzeugnisses aus.
Bei einer Verwendung in anderen Produkten als Lebensmitteln ist eine Deklaration nicht verpflichtend.
VI. Umwelt, Klima und Biodiversität
Die für den Palmölanbau genutzte Fläche hat seit 1970 weltweit zugenommen und tatsächlich ist diese Expansion oftmals auf Kosten von tropischen Wäldern gegangen. Daher ist es entscheidend, sicherzustellen, dass das Palmöl aus entwaldungsfreien, rückverfolgbaren und überprüfbaren Lieferketten stammt. Für Südostasien zeigen Studien, dass Governance, staatliche Moratorien, Standards und Lieferkettenverpflichtungen wie NDPE (No Deforestation, No Peat, No Exploitation) erfolgreiche Hebel sein können (Seymore & Harris 2019; Gaveau et al. 2022; IUCN 2024).
Eine im August 2026 veröffentlichte globale Kartierungsstudie von 47 Ländern belegt, dass die weltweite jährliche Waldumwandlung durch Palmöl von durchschnittlich rund 342'500 Hektar pro Jahr (Zeitraum 2001–2015) auf etwa 80'000 Hektar pro Jahr (Zeitraum 2016–2024) gesunken ist – ein Rückgang um mehr als 75 %. Machte der Palmölanbau vor 2015 noch 12,2 % des gesamten tropischen Waldverlusts aus, sank dieser Anteil im Zeitraum danach auf noch 2,2 % (Descals, A. et al. 2026).
Der Anbau von Ölpalmen in Monokultur reduziert die Artenvielfalt im Vergleich zu Primärwald stark. Standards wie RSPO verbieten jedoch die Rodung von Primärwäldern und schützenswerten Gebieten. Der RSPO Impact Report 2024 zeigt, dass über 466'000 Hektar Waldflächen dank der Zertifizierung geschützt wurden. Zudem gibt es Best-Practice-Beispiele wie United Plantations, die zeigen, dass durch Korridore und Schutzflächen Biodiversität auch in bewirtschafteten Gebieten gefördert werden kann. Ein Boykott hilft den Tieren nicht, wenn dadurch der Anbau ineffizienterer Ölpflanzen mit grösserer Flächenausdehnung gefördert wird (Meijaard et al., 2018; RSPO, 2024). WWF Malaysia hebt hervor, dass die Implementierung von RSPO-Zertifizierungsstandards in Landscape Programmen der effektivste Weg ist, um wirtschaftliche Produktion mit dem Schutz kritischer Orang-Utan-Lebensräume zu vereinbaren.
Die Klimabilanz hängt stark von der Produktionsweise ab. Die Umwandlung von Torfmooren in Plantagen beispielsweise setzt enorme CO₂-Mengen frei. Best-Practice-Betriebe wie United Plantations zeigen in Langzeitstudien (2004–2023), dass durch Massnahmen wie Biomassenutzung und Zero-Deforestation der CO₂-Fussabdruck gesenkt werden kann und palmölbezogene Emissionen unter denen vieler Konkurrenzprodukte liegen (Schmidt et al., 2022; Schmidt et al., 2024/25).

Nein. Ökobilanzen zeigen, dass Palmöl wegen seiner hohen Erträge und seines geringeren Flächenbedarfs gegenüber alternativen Kulturen Vorteile haben kann. Andere Ölpflanzen benötigen für dieselbe Ölmenge in der Regel deutlich mehr Fläche. So benötigt man für die Produktion von einer Tonne Rapsöl 4,5 mal mehr Fläche als für eine Tonne Palmöl.

Abb. aus IUCN 2018, https://portals.iucn.org/library/sites/library/files/documents/2018-027-En.pdf
Nein. Die Schweizer Industrie hat sich starke Selbstverpflichtungen auferlegt. Teil dieser Verpflichtung ist es ausschliesslich nach dem RSPO zertifizierte Ware zu kaufen. Ein Boykott in der Schweiz würde die globale Pflanzenölnachfrage nicht beseitigen. Die Nachfrage könnte sich auf andere Herkunftsländer oder andere Öle verlagern. IDH-, IUCN-, WWF- und Nature-Studien zeigen, dass eine Substitution den Flächen- und Biodiversitätsdruck in andere Regionen verlagern würde (IDH/CDP 2026, IUCN 2018, Meijaard et al. 2020; IUCN 2024; WWF/UBA 2020/2021). Wenn Schweizer Nachfrage nach zertifizierter Ware reduziert wird, kann dies sogar einen gegenteiligen Effekt haben. Es besteht das Risiko, dass Produzenten und Kleinbauern, die in Zertifizierung und Rückverfolgbarkeit investieren, Marktanteile an Anbieter mit niedrigeren Standards verlieren.
VII. Soziales, Arbeit- und Menschenrechte
Ja, die ist ein ernstes Problem, insbesondere in bestimmten Regionen Malaysias (z. B. Sabah) und Indonesiens. Die malaysische Regierungsstudie (KPK, 2018) schätzt die Prävalenz von Zwangsarbeit auf 0,8 % und dokumentiert rund 33'600 arbeitende Kinder im Alter von 5–17 Jahren, davon fast 20'000 in Sabah. Die ILO (2024) bestätigt diese Zahlen und führt gemeinsame Programme mit UNICEF und der EU zur Bekämpfung dieser Missstände durch. Der RSPO-Standard verbietet Kinder- und Zwangsarbeit.
Kleinbauern bewirtschaften ca. 40 % der globalen Palmölfläche. Der Palmöl-Boom hat in Indonesien und Malaysia nachweislich zur Armutsreduzierung beigetragen und den Zugang zu Bildung verbessert (Qaim et al., 2020; Chiriaco, 2022). Ein Boykott von Palmöl trifft oft zuerst die Kleinbauern, die sich Zertifizierungen leisten wollen, aber den Marktzugang verlieren (Solidaridad, 2022; 2025).
Landkonflikte sind eine der grössten Herausforderungen. Nachhaltigkeitsstandards wie RSPO verlangen die Einhaltung von Landrechten und das Prinzip der „Free, Prior and Informed Consent“ (FPIC) gegenüber lokalen Gemeinschaften. Verstösse können zum Entzug der Zertifizierung führen. Dennoch bleiben Konflikte ein Risiko, das durch strengere Due-Diligence-Prüfungen und staatliche Governance adressiert werden muss.
VIII. Zertifizierung und Standards
Der Palmöl-Sektor steht vor grossen Herausforderungen: Entwaldung, Klimabelastung durch Torfnutzung, Landkonflikte und Arbeitsrechtsverletzungen. Zertifizierungssysteme wie der RSPO setzen ökologische und soziale Mindeststandards, die durch unabhängige Audits überprüft werden. Die Zertifizierung schafft überprüfbare Standards, erhöht die Markttransparenz, bietet Beschwerde- und Sanktionsmechanismen und setzt Anreize für kontinuierliche Verbesserungen.
Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, die 2004 unter Beteilung Schweizer Akteure gegründet wurde, um einen branchenweiten Standard für nachhaltiges Palmöl zu entwickeln. Er gilt als der strengste und umfassendste internationale Standard. Benchmarking-Studien (Walter et al., 2020; 2026) bestätigen, dass der RSPO im Vergleich zu nationalen Standards (wie ISPO oder MSPO) höhere Anforderungen an Waldschutz, Torfschutz und Menschenrechte stellt. Für den Schweizer Lebensmittelmarkt ist RSPO (teilweise in Kombination mit Bio Suisse) der de-facto Standard. 100 % des in der Schweiz für Lebensmittel importierten Palmöls sind RSPO-zertifiziert.
Nein. Zwar löst Zertifizierung nicht alle Probleme, aber Studien belegen messbare Verbesserungen bei Treibhausgasemissionen, Flächeneffizienz und sozialen Standards in zertifizierten Betrieben im Vergleich zu konventionellen (Schmidt & De Rosa, 2020; Bok et al., 2022). Der Ansatz des Palmöl Netzwerks ist es, zertifiziertes Öl zu fördern, um den Marktanteil nachhaltiger Produktion zu erhöhen. Zertifizierung ist ein notwendiger, der durch gesetzliche Sorgfaltspflichten ergänzt werden muss (WWF/UBA, 2020).
Unabhängige Auditoren prüfen regelmässig Plantagen und Mühlen. Bei Verstössen können Zertifikate suspendiert oder entzogen werden. Zudem verbessern sich die Auditsysteme kontinuierlich (z. B. durch unangekündigte Kontrollen und stärkere Einbeziehung von Stakeholdern vor Ort). Die Analyse von Auditberichten durch den RSPO (2024) zeigt eine hohe formale Erfüllung von Biodiversitätskriterien (99,1 %), wobei die praktische Umsetzung weiterhin überwacht werden muss.
Werden bei den Audits Verstösse festgestellt, können je nach Schwere und Art des Verstosses Korrekturmassnahmen, zusätzliche Prüfungen, Sanktionen, eine Suspendierung oder der Entzug eines Zertifikats erfolgen. Zusätzlich können im Rahmen des RSPO Complaints System lokale Gemeinschaften, NGOs und andere Stakeholder formell Beschwerde einreichen, wenn sie Verstösse gegen RSPO-Regeln vermuten. Ein unabhängiges Complaints Panel prüft die Fälle und kann Sanktionen empfehlen.
Diese Begriffe bezeichnen unterschiedliche Lieferkettenmodelle:
- Identity Preserved (IP): Das Öl stammt aus einer eindeutig identifizierten zertifizierten Quelle und bleibt getrennt.
- Segregated (SG): Zertifiziertes Öl aus verschiedenen zertifizierten Quellen wird gemischt, bleibt aber von nicht zertifiziertem Öl getrennt.
- Mass Balance (MB): Zertifiziertes und nicht zertifiziertes Öl können physisch gemischt werden; zertifizierte Mengen werden bilanziell verfolgt.
- Book and Claim: Zertifikate werden separat gehandelt; das physisch gelieferte Öl muss nicht zertifiziert sein.
Das Modell sagt daher aus, ob ein Produkt aus einer zertifizierten physischen Lieferkette entstammt.
Vergleichende Ökobilanzen (Life Cycle Assessment) zeigen messbare Vorteile:
- Schmidt & De Rosa (2020) sowie Schmidt et al. (2026) belegen, dass RSPO-zertifiziertes Palmöl im Vergleich zu nicht-zertifiziertem Öl die Treibhausgasemissionen um ca. 35 % reduziert. Hauptgründe sind höhere Erträge, der Verzicht auf Torfböden und bessere Abwasserbehandlung (Methanabscheidung).
- Zertifizierte Betriebe weisen zudem einen ca. 20 % geringeren Druck auf natürliche Ökosysteme auf.
- Eine systematische Evidenzanalyse von Harvey et al. (2025) bestätigt, dass Nachhaltigkeitszertifikate wie RSPO wesentlich zur Dekarbonisierung landwirtschaftlicher Lieferketten beitragen, auch wenn die Umsetzung regional variiert.
Zertifizierung allein garantiert keine perfekten Bedingungen, aber sie schafft Instrumente zur Verbesserung. Der RSPO-Standard verbietet Kinder- und Zwangsarbeit. Audits decken Verstösse auf: Eine Analyse von 97 RSPO-Audits durch 3keel/Profundo (2025) fand bei 7 % der Betriebe Probleme im Zusammenhang mit Kinderarbeit, was zeigt, dass bei der grossen Mehrheit keine Probleme bestehen, dass Kontrollen wirken, aber Lücken bleiben. Studien wie Verité (2021) und CNV Fair Work Monitor (2025/26) zeigen, dass die Situation in zertifizierten Betrieben oft besser ist als in nicht-zertifizierten, da Mindeststandards eingehalten werden müssen und Beschwerdemechanismen existieren. Ohne Zertifizierung wäre die Lage für viele Arbeiter oft prekärer.
IX. Freihandelsabkommen Malaysia
Es handelt sich um ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Malaysia. Das Abkommen betrifft unter anderem Warenhandel, Dienstleistungen, Investitionen, geistiges Eigentum und nachhaltige Produktion. Es wurde am 23. Juni 2025 unterzeichnet. Gegen das Abkommen wurde das Referendum ergriffen, so dass es im ersten Halbjahr 2027 zu einer Volksabstimmung kommt.
Nein. Palmöl und Rapsöl haben unterschiedliche technologische Eigenschaften (fest vs. flüssig) und sind oft nicht direkt substituierbar. Zudem sind die Mengen im Abkommen begrenzt. Die Schweizer Rapsproduktion wird durch andere agrarpolitische Massnahmen gestützt. Ein Rückgang der Palmölimporte in der Schweiz hat in der Vergangenheit nicht zu einer Steigerung der Rapsproduktion geführt, da die Nachfrage nach pflanzlichen Fetten global steigt und technologische Anforderungen spezifisch sind (FiBL, 2019).
Ausserdem reicht aktuell die Schweizer Produktion von Ölsaaten nicht aus, um den gesamten Bedarf an pflanzlichen Ölen zu decken: Der Selbstversorgungsgrad bei pflanzlichen Ölen und Fetten lag 2020 insgesamt nur bei rund 24%.
Nein. Das Abkommen setzt Anreize für eine nachhaltige Produktion. Durch die Verknüpfung von Marktzugang und Nachhaltigkeit fördert das Abkommen Produzenten, die Wald schützen, und benachteiligt solche, die entwalden. Es ist ein Instrument, um „Zero Deforestation“ in der Lieferkette voranzutreiben und die Umsetzung von NDPE-Verpflichtungen (No Deforestation, No Peat, No Exploitation) zu unterstützen (Gaveau et al., 2022; Euractiv, 2026). Zudem hat Malaysia hat die Anbaufläche gesetzlich auf 6,5 Mio. Hektar (rund 5,6 Mio. ha) gedeckelt: https://euractiv.com/de/news/malaysia-will-am-eu-markt-bleiben-und-setzt-auf-nachhaltiges-palmoel/.
Malaysia hat im Jahr 2025 ca. 20'200'000 Tonnen Palmöl produziert. Die Schweiz hat im 2025 ca. 2'140 Tonnen Palmöl zu 100% RSPO zertifiziert und physisch segregiert aus Malaysia bezogen, d.h. lediglich 0,01% der gesamten malaysischen Produktion. Umgerechnet entspricht diese Menge einer Fläche von ca. 610 ha, auf der das Palmöl für die Schweiz produziert wird, bei konservativer Annahme von 3,5 t pro ha Ertrag. Selbst wenn das maximale Kontingent von 12'500 Tonnen ausgeschöpft würde, würde dies nur 0,06% der malaysischen Produktion ausmachen und einem Flächenfussabdruck von 3'600 ha entsprechen.
Das Modell sieht fünf Teilkontingente für rohes Palmöl, Palmstearin und Palmkernöl vor. Das Gesamtkontingent beginnt bei 10’000 Tonnen und steigt innerhalb von fünf Jahren auf 12’500 Tonnen. Die Zölle werden innerhalb dieser Kontingente nicht etwa aufgehoben, sondern je nach Produkt um 20, 30 oder 40 Prozent reduziert. Die Palmöl-Konzessionen an Malaysia entsprechen jenen des Freihandelsabkommens mit Indonesien und wurden mit Vertreterinnen und Vertretern der betroffenen Branchen abgestimmt.

Nein, das Abkommen schafft keinen unbegrenzten zollfreien Zugang für malaysisches Palmöl. Die Schweiz gewährt Malaysia mengenmässig beschränkte Kontingente zu leicht reduzierten, aber nicht vollständig aufgehobenen Zöllen. Die Zollpräferenzen setzen einen strengen Nachhaltigkeitsnachweis und die Rückverfolgbarkeit bis zum Produzenten voraus. Das Abkommen enthält zudem verbindliche Regeln zu Arbeitsrechten sowie zu Klima, Waldschutz und Biodiversität.
Die Begrenzung soll verhindern, dass die Zollzugeständnisse zu einer unerwünschten Ausweitung der Schweizer Palmölimporte führen und dadurch die einheimische Produktion von Raps- und Sonnenblumenöl unter Druck gerät. Mit den Kontingenten, reduzierten Zöllen und Nachhaltigkeitsbedingungen verfolgt die Schweiz einen anderen Ansatz als bei einer vollständigen Zollbefreiung.
Zusätzlich gibt es für die Schweizer Landwirtschaft eine Absicherung durch eine Schutzklausel: Für den Fall, dass der Schweizer Ölsaatenmarkt wider Erwarten unter Druck geraten sollte, sieht das Abkommen einen Schutzmechanismus vor. Dieser würde es der Schweiz erlauben, die gewährten Zollzugeständnisse im Rahmen des vereinbarten Schutzmechanismus vorübergehend auszusetzen.
Das Abkommen dient nicht der Mengenausweitung, sondern der Verankerung von Nachhaltigkeitsstandards auf völkerrechtlicher Ebene. Artikel 12.12 des Abkommens knüpft Zollpräferenzen explizit an Kriterien wie Entwaldungsfreiheit, Schutz von Torfmooren und Einhaltung von Arbeitsrechten. Ein Rückzug der Schweiz würde den Einfluss auf die Produktionsbedingungen vor Ort schwächen und das Feld Anbietern mit tieferen Standards überlassen. Das Abkommen ist ein Instrument, um „Zero Deforestation“ und faire Arbeitsbedingungen vertraglich einzufordern (IDH & CDP, 2026).
Nein. Das Abkommen sieht strikte Zollkontingente vor (max. 12'500 Tonnen jährlich für präferenzbegünstigtes Öl). Dies entspricht nur ca. 0,06 % der malaysischen Gesamtproduktion (ca. 20,2 Mio. Tonnen). Die Erfahrungen mit dem Indonesien-Abkommen zeigen, dass tiefere Zölle nicht automatisch zu höheren Importmengen führen, da die Palmöl-Nachfrage in der Schweiz rückläufig ist und von anderen Faktoren wie Qualität und Nachhaltigkeit bestimmt wird.

Das Abkommen ist ein ordnungspolitisches Signal für den "Schweizer Weg": Marktzugang gibt es nur gegen Nachhaltigkeit. Auch wenn die Mengen klein sind, schafft das Abkommen Planungssicherheit für die Unternehmen und stellt sicher, dass für alle Importeure die gleichen hohen gesetzlichen Hürden gelten.
Zollerleichterungen gelten nur für nachweislich nachhaltiges Palmöl. D.h. nicht jedes Palmöl aus Malaysia profitiert automatisch von Zollreduktionen. Präferenzen werden nur gewährt, wenn die ökologischen und sozialen Anforderungen des Abkommens erfüllt und nachgewiesen werden. Dazu zählen der Schutz von Wäldern, Torfmooren und wertvollen Ökosystemen, die Bekämpfung von Entwaldung und Brandrodung sowie die Achtung der Rechte von Arbeitnehmenden, Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten, indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften.
Schweizer Importeure müssen die Einhaltung dieser Anforderungen belegen. Zudem dürfen die fünf Teilkontingente nur für Einfuhren in 22-Tonnen-Tanks genutzt werden; dies ermöglicht die Rückverfolgbarkeit vom Schweizer Abnehmer bis zum Produzenten.
Das Abkommen schreibt keinen bestimmten Nachhaltigkeitsstandard vor, setzt aber sehr hohe Anforderungen, was Nachhaltigkeit betrifft. Der malaysische Standard «Malaysian Sustainable Palm Oil» (MSPO) wird deswegen nicht automatisch anerkannt. Das SECO lässt die verfügbaren Zertifizierungssysteme unabhängig vergleichen. Der Bundesrat legt anschliessend in einer Verordnung fest, welche Standards als Nachweis zugelassen werden. Anerkannte Standards müssen die relevanten Interessengruppen einbeziehen, unabhängig kontrolliert und regelmässig auf ihre Wirkung überprüft werden. Die Schweiz stützt sich damit nicht auf Selbstdeklarationen, sondern verbindet vertragliche Kriterien mit Zertifizierung, Rückverfolgbarkeit und Kontrolle bei der Einfuhr.
Dann kann die Ware die Präferenzbedingungen nicht erfüllen. Der Importeur müsste in diesem Fall die regulären Zollansätze bezahlen. Die Zollvergünstigung ist somit an den Nachweis gebunden und nicht allein an das Ursprungsland Malaysia.
Die Erfahrung mit Indonesien zeigen klar: Es gab keine Import-Schwemme und die Prognosen und Befürchtungen der Gegner sind nicht eingetreten. Weder vor noch nach Inkrafttreten wurden relevante Mengen aus Indonesien in die Schweiz importiert. Diese Erfahrung zeigt, dass ein Freihandelsabkommen nicht automatisch zu zusätzlichen Palmölimporten führt. Entscheidend sind vielmehr die tatsächliche Nachfrage, bestehende Lieferbeziehungen, Qualitätsanforderungen, Nachhaltigkeitskriterien und die Verfügbarkeit zertifizierter Ware.
Abbildung: Palmöl-Importe aus Indonesien und Malaysia (Quelle: BAZG)

X. Palmöl Netzwerk Schweiz
Das Palmöl Netzwerk ist eine Initiative wichtiger Akteure der Lebensmittelbranche, die sich für eine nachhaltige Palmölwertschöpfungskette einsetzen. Ziel ist es, durch gemeinsamen Dialog und Massnahmen die ökologischen und sozialen Bedingungen in den Anbauländern zu verbessern. Das Netzwerk bündelt Erfahrungen, um mit gemeinsamer Stimme und vereinten Kräften mehr Wirkung zu erzielen. Die Mitglieder haben hierzu eine Absichtserklärung und Selbstverpflichtung unterzeichnet.
Das Netzwerk will über die Einhaltung von 100% RSPO Zertifizierung für sämtliche Importe und Verwendung von Palmöl den RSPO-Standard weiterentwickeln, und über Lieferantendialoge, Zusatzkriterien und Projekte vor Ort die Lieferanten unterstützen, über die Anforderungen des RSPO hinauszugehen.
Download Faktenblatt "Vision und Mission"

Auch mit kleinem Marktanteil kann die Schweiz als Vorreiter wirken. Schweizer Unternehmen sind oft global tätig und haben Einfluss auf internationale Lieferketten. Durch das PNS und das FHA sendet die Schweiz ein klares Signal: Marktzugang gibt es nur gegen Nachhaltigkeit. Dieser "Schweizer Weg“ dient als Modell für andere Märkte und hilft, globale Standards zu heben. Ein Rückzug würde den Einfluss auf die Produktionsbedingungen vor Ort schwächen und das Feld Anbietern mit tieferen Standards überlassen (IDH & CDP, 2026; Walter et al., 2026).